#ZPEurope18: Nachlese

Nachlesen zur "Zukunft Personal" haben auf meiner Seite schon eine gewisse Tradition. Heute möchte ich das Ganze mal etwas anders angehen und statt eines Fließtexts mir eine Liste mit Beobachtungen und Thesen aus dem Ärmel schütteln, denn der Eindruck ist noch frisch. Vorab: Wenn auch einige kritische Anmerkungen dabei sind: Die Zukunft Personal lohnt sich und ist für mich seit nunmehr 15 Jahren (Bekomme ich eigentlich eine Ehrennadel?) DIE wichtigste Veranstaltung in der Szene. Für mich hat es sich auch 2018 wieder einmal gelohnt.

  • Die meisten Aussteller, mit denen ich gesprochen habe, waren mit Publikumsverkehr und generierten Leads zufrieden. Am zweiten Tag brachte eine Ausstellerin vor meinen Augen einen ganzen Stapel von Scheinen in den Backstage-Bereich. "Ich bringe mal eben die Leads weg."
  • Die kulinarische Versorgung hat sich nicht wesentlich verbessert, obwohl es da doch sehr viel Luft nach oben gäbe. Gerettet haben mich auf den beiden Messetagen die leckeren Stullen am Stand von meinestadt.de (Danke!).
  • Als PR-Mann habe ich natürlich auch Journalisten auf dem Event getroffen, aber die Messe verkauft sich hier nach meinem Eindruck deutlich unter Wert. Die Arbeitswelt geht alle an, nicht nur die HR-Community, und auf der Messe wird die Arbeitswelt von morgen verhandelt, das ist zumindest der Anspruch, zumal wir in diesem Jahr ja mit "succeed in permanent beta" ein besonders zukunftslastiges Motto hatten. Wo bleiben dann aber die Fernsehteams? Warum eröffnet nicht die Bundeskanzlerin die Messe, oder nicht wenigstens der Arbeitsminister? Ich weiß, dass sich das einfacher schreibt als umsetzen lässt, aber der Eindruck bleibt: Da gibt man sich seit Jahren mit einem eher bescheidenen Niveau zufrieden, ein Fall von Selbstverzwergung.
  • Kopfschütteln löste bei mir und einigen PR-Kollegen die doch sehr dürftige Moderation auf einigen Veranstaltungen aus. Warum schaut man sich nicht nicht etwas genauer an, was die Moderatoren auf den Stages so treiben? Da stehen dann HR-Dienstleister, nutzen tagelange die ihnen zu Verfügung gestellte Fläche zur Selbstdarstellung und zeigen deutlich, dass sie 1. keine Ahnung haben, wie man moderiert und ihnen das 2. auch völlig egal ist. Einfache Regel: "Im Mittelpunkt steht das Podium, nicht der Moderator".
  • Viele Aussteller haben mittlerweile gelernt, dass es wenig überzeugend wirkt, in Vorträgen und Materialien ausschließlich als Sklave des eigenen Produkts aufzutauchen und versuchen tatsächlich, Themen im Kontext ihres Produkts zu besetzen. Das ist eine Entwicklung, die der Messe inhaltlich ebenso gut tut wie der Kommunikation der Aussteller. Die klassischen Vertriebspräsentationen findet man allerdings auch noch.
  • Irgendwie wirkte das Publikum in diesem Jahr jünger auf mich und die HR-Community versucht insgesamt etwas hipper aufzutreten. Statistisch nicht erfassbar, aber gefühlt hat die Anzahl an Menschen mit bunten Sneakers deutlich zugenommen. Den Hipness-Contest verliert die ZP natürlich wie in anderen Jahren auch klar gegen die Dmexco ("Ich freu mich auf die Kampagne"). Unvergessen der am Gabelpunkt zwischen ZP bzw. Dmexco postionierte Megafon-Mann, der zu Beginn des zweiten ZP- und ersten Dmexco-Tages die beiden Communities trennen musste und vor allem darauf konzentriert war, bei den Online-Marketeers den Übertritt auf die HR-Messe zu vermeiden ("please don't use the stairs, dmexco has another entrance").
  • Die HR-Bloggerszene ist auch auf der ZP in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird es nach meiner Einschätzung auf Dauer nicht leicht haben, den eigenen Anspruch auf die Rolle als "Avantgarde der HR-Welt" mit der nahtlosen Integration in den Medien- und Veranstaltungskosmos dieser Welt zu vereinbaren.
  • Das Thema "gewerbliche Mitarbeiter" kommt im Recruiting. Dafür sorgten auf der Messe nicht nur Spezialisten wie meinestadt.de oder mobilejob.com. Eine Generalistenjobbörse schickte einen Mann im Bauarbeiteroutfit übers Gelände und auch bei anderen Recruitingdienstleistern waren die Nicht-Akademiker Thema. Da stellt sich die gleiche Frage wie bei den Hustenbonbons: Wer hat's erfunden? Oder die Aufgabe: Suche das Original!
  • Das Digitalisierungspferd ist immer noch nicht totgeritten. Aber auch HR-Digital und KI sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Da war nicht sooo wahnsinnig viel Neues zum Thema zu hören. Es ist eben doch schon das meiste dazu gesagt, mitterweile auch von fast allen. Die Zusammenfassungen waren zwar sehr solide, aber mehr auch nicht. Da erwarte ich von einer Messe eigentlich mehr.
  • Persönlich hat mir der Auftritt von Working out Loud-Guru John Stepper gefallen, der auch schon auf dem Event der Personalwirtschaft am Montag einen kleinen Auftritt hatte. Leider versperrte mir ein Pfeiler in der KeyNote-Arena der ZP die Sicht auf ihn, so dass das Ganze mich ein bisschen an meine Murmeltierbeobachtung in Südtirol während des Sommerurlaubs erinnerte - ich hörte die ganze Zeit etwas, sah aber nur selten, woher die Stimme kam. Mir war inhaltlich nicht klar, dass es bei WOL um den "Sinn der Arbeit" geht, den die Methode stärker erlebbar machen soll. Interessant fand ich die Methode des "Behavioural Learning", für die WOL steht. Der Ansatz ist mir aus meiner systemischen Ausbildung bekannt, "machen" statt "hören" oder "lesen" funktioniert aus meiner Erfahrung sehr gut.